Wo müde Wanderer zu Kräften kommen


Sommer bis Herbst / Auf der Alp Strichboden, unterhalb der Churfirsten im Toggenburg bewirtschaftet Fritz Ammann die Alpwirtschaft Wildmannli. Im Tal bewirtschaftet er ein Landwirtschaftsbetrieb von 10 ha und die Sattlerei Ammann.


Strichboden / Der Tag von Fritz Ammann beginnt um halb sieben. Zuerst schaut er nach seinen Tieren, den 32 - 37 Aufzuchtrindern, die in den stotzigen Weiden unterhalb des Selun weiden. Der Selun ist der letzte der sieben Churfirsten, oder der erste, je nach dem wie man es betrachtet. Seine Alphütte auf dem Strichboden liegt hoch über dem Thurtal im Toggenburg und ganz unten am Fusse des Selun. Die Alpwirtschaf hat Fritz Ammann nach dem Wildmannlisloch benannt, der sagenumworbenen Höhle, in der Überresten von Tieren aus der Zeit der Höhlenbewohner entdeckt worden sind.


Das Handwerk selber beigebracht

Im Tal hat Fritz Ammann Sattlerei Ammann in Starkenbach. Gürtel, Glocken und Schellen, alles mit Messing-Kühen. Für Fritz Ammann ist die Sattlerei ein wichtiger Nebenverdienst. Vor mehr als dreissig Jahren habe er für einen Kollegen Zaumzeug aus Leder hergestellt. Er fand Gefallen daran und ein paar Jahre später begann er professionell mit der Sattlerei. Das Handwerk brachte er sich selber bei. Für ihn bedeutet dieses Handwerk eine Abwechslung zur Landwirtschaft und Alpwirtschaft.


Unterschlupf für Wanderer

Die Alpwirtschaft hat Fritz Ammann im Jahre 2000 eröffnet. Hier können müde Wanderer wieder zu Kräften gelangen, wenn sie vom Tal hochgestiegen sind oder vom Selun (2204 M), vom Frümsel (2267 M) oder vom Brisi (2279) zurückkommen, den drei der sieben Churfirsten. Gäste bewirten liege ihm, sagt Fritz Ammann, zudem bedeute es für ihn zusätzliche Einnahmen. Auf dem Dachstock können Besucher sogar übernachten. Wer also auf einer langen Wanderung eine Zwischenstation sucht, findet hier Unterschlupf. Geöffnet ist die Alpwirtschaft Wildmannli von 1. Juni bis 30. September. Grundsätzlich ist das Beizli gut besucht, jedoch ist halt alles vom Wetter abhängig. Leider gibt es nur wenige Wanderer, die auch bei rauem Wetter unterwegs sind.


Berglandwirtschaft braucht Unterstützung

Fritz Ammann hat den Betrieb von seinem Onkel gekauft, wo auch die Alp Strichboden dazugehörte.

Fritz Ammann sieht ziemlich getrost in die Zukunft. Für ihn ist es keine Frage, dass die Berglandwirtschaft speziell unterstützt werden muss. Das Toggenburg sei eine Tourismusregion, „wenn wir hier die Hänge nicht mehr pflegen, verbuscht alles und niemand kommt mehr vorbei“, gibt er zu bedenken. Von der Landwirtschaft alleine kann hier niemand leben, die Beiträge des Bundes sind nötig für das Einkommen.

Am Abend, wenn die Wanderer wieder ins Tal zurückgekehrt sind, ist im Wildmannli noch lange nicht Schluss. In der Alp Selun gibt es 17 Alphütten, deren Bewirtschafter am Abend gerne bei einem Glas Wein oder Kafi Lutz zusammensitzen. „Jeden Abend kommen andere vorbei“, sagt Fritz Ammann, doch für ihn wird es fast jeden Abend spät.